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Alu schweißen: Was dieses Material so anspruchsvoll macht

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  • vor 3 Tagen

Wer zum ersten Mal versucht, Aluminium zu schweißen, merkt schnell: Das Material spielt nach anderen Regeln. Die Hitze verhält sich anders, das Schmelzbad sieht anders aus, und Fehler, die bei Stahl noch glimpflich ausgehen, werden bei Alu sofort bestraft. Das hat nichts damit zu tun, dass Aluminium ein schlechter Werkstoff wäre. Im Gegenteil. Aber es ist ein Material, das bestimmte Kenntnisse voraussetzt – und wer die nicht mitbringt, wird mit Porosität, Bindefehlern oder durchgebrannten Nähten konfrontiert.

Dabei ist Aluminium in der metallverarbeitenden Praxis kaum wegzudenken. Leichtbau, Fahrzeugbau, Bootsbau, Fassadenbau, Maschinenbau: Überall dort, wo Gewicht eine Rolle spielt und Korrosionsbeständigkeit gefragt ist, kommt Aluminium zum Einsatz. Und wo Aluminium verbaut wird, muss es früher oder später auch gefügt werden.

Warum Aluminium so anders ist

Der entscheidende Unterschied liegt in der Oxidschicht. Aluminium reagiert an der Luft sofort mit Sauerstoff und bildet dabei Aluminiumoxid – eine harte, keramikähnliche Schicht, die bei etwa 2.050 Grad Celsius schmilzt. Das reine Aluminium darunter schmilzt schon bei rund 660 Grad. Das bedeutet: Wenn der Schweißer nicht aktiv gegen diese Oxidschicht vorgeht, hat er oben noch festes Oxid, während das Metall darunter längst flüssig ist. Das Schmelzbad ist von außen kaum zu erkennen, und Durchbrände passieren, bevor man sie kommen sieht.

Hinzu kommt die hohe Wärmeleitfähigkeit. Aluminium leitet Wärme etwa fünfmal besser als Stahl. Das bedeutet, dass die Wärme schnell aus der Schweißzone abfließt – weshalb mit deutlich höheren Stromstärken gearbeitet werden muss als bei Stahl gleicher Dicke. Gleichzeitig fehlt der sichtbare Glüheffekt: Aluminium wird beim Erhitzen nicht rot, es bleibt silbrig bis kurz vor dem Schmelzpunkt. Wer den richtigen Moment nicht durch Erfahrung erkennt, überhitzt das Material, ohne es zu merken.

Dazu kommt die Tendenz zur Porosität. Flüssiges Aluminium nimmt Wasserstoff sehr leicht auf – aus feuchter Luft, aus schlecht gereinigten Oberflächen, aus feuchtem Schutzgas. Beim Erstarren wird der Wasserstoff wieder abgegeben und hinterlässt Poren in der Naht. Solche Nähte sehen von außen oft ordentlich aus, halten aber den Belastungen nicht stand, die von ihnen erwartet werden.

Welche Schweißverfahren für Aluminium geeignet sind

Die beiden in der Praxis dominierenden Verfahren sind WIG und MIG. Elektroden- oder MAG-Schweißen scheidet für Aluminium in den meisten Fällen aus – die Ergebnisse sind kaum kontrollierbar, und das Verfahren eignet sich nicht für die dünneren Wandstärken, mit denen Aluminium häufig verarbeitet wird.

Das WIG-Verfahren gilt als die Königsdisziplin beim Aluminiumschweißen. Es wird mit Wechselstrom gearbeitet, weil der Wechselstrom in der Elektrode-positiv-Phase die Oxidschicht aufbricht – ein Effekt, den man als Reinigungswirkung bezeichnet. Sichtbar wird das durch eine helle, saubere Zone um die Schweißnaht herum. Wer WIG-Aluminium schweißt, braucht ein Gerät mit AC-Funktion, Hochfrequenzzündung und der Möglichkeit, die Balance zwischen Reinigungs- und Einschmelzphase einzustellen. Als Schutzgas kommt reines Argon zum Einsatz. Das WIG-Verfahren liefert sehr saubere, optisch hochwertige Nähte und ist besonders für dünnere Materialien und sichtbare Verbindungen die erste Wahl. Es ist aber auch das langsamere und anspruchsvollere Verfahren – die Koordination von Brennerführung, Stabeingabe und Pedalsteuerung erfordert echte Übung. Den Unterschied zwischen WIG und anderen Verfahren erklärt auch unser Artikel zum MAG-Schweißen anschaulich.

Das MIG-Verfahren ist schneller und für dickere Wandstärken sowie Serienanwendungen besser geeignet. Auch hier wird Argon als Schutzgas verwendet – entweder pur oder mit einem kleinen Heliumanteil, der die Wärmeeinbringung erhöht und das Einbrandverhalten verbessert. Ein wichtiges Detail beim MIG-Aluminiumschweißen: Als Drahtelektrode wird weicher Aluminiumdraht verwendet, der im normalen Vorschubsystem knickt und sich im Schweißschlauch verhakt. Profibetriebe arbeiten deshalb entweder mit einem Push-Pull-System, das den Draht aktiv zieht, oder mit einem Spool Gun, bei dem die Drahthaspel direkt am Brenner sitzt. Wer das ignoriert und versucht, mit einem Standardsystem Aluminiumdraht zu fördern, kämpft mit ständigen Drahtstopfern.

Vorbereitung: Der unterschätzte Teil des Prozesses

Kein Verfahren der Welt kompensiert eine schlechte Vorbereitung beim Aluminiumschweißen. Die Oberfläche muss vor dem Schweißen absolut sauber sein – frei von Öl, Fett, Feuchtigkeit und vor allem von der Oxidschicht. Die Reinigung läuft in zwei Schritten ab.

Zuerst werden Öle und Fette mit Aceton oder einem speziellen Aluminiumreiniger entfernt. Dann wird die Oxidschicht mechanisch abgetragen – mit einer Edelstahlbürste, die ausschließlich für Aluminium verwendet wird. Eine Bürste, die vorher auf Stahl eingesetzt wurde, trägt Eisenpartikel ins Aluminium ein und fördert Korrosion. Die Reinigung sollte unmittelbar vor dem Schweißen erfolgen, weil sich die Oxidschicht innerhalb von Minuten neu bildet.

Auch das Zusatzmaterial muss trocken und sauber sein. Feuchter Schweißdraht oder feuchte Schweißstäbe sind eine der häufigsten Ursachen für Porosität. Wer selten schweißt, sollte das Zusatzmaterial nach der Arbeit luftdicht verpacken oder in einem beheizten Schrank lagern.

Typische Fehler – und wie sie entstehen

Durchbrände sind das häufigste Problem bei unerfahrenen Schweißern. Sie entstehen, weil Aluminium keinen visuellen Hinweis gibt, bevor es durchschmilzt. Das Gegenmittel ist eine gute Vorbereitung des Werkstücks – ausreichend Unterlage, richtige Stegbreite, angepasste Stromstärke – sowie beim WIG-Schweißen die konsequente Nutzung des Fußpedals, um die Energie gegen Ende der Naht zurückzufahren.

Risse entstehen häufig an Nahtenden oder in der Wärmeeinflusszone. Der Grund liegt im Erstarrungsverhalten von Aluminiumlegierungen: Manche Legierungen, besonders die 2xxx- und 7xxx-Serien, sind warmrissempfindlich. Hier hilft die Wahl des richtigen Zusatzmaterials, das die Erstarrungstemperaturspanne verkleinert, sowie das Setzen von Endkratern mit reduzierter Stromstärke.

Schlechte Einbrandtiefe bei gleichzeitig schöner Oberfläche ist ein Zeichen, dass die Oxidschicht nicht ausreichend aufgebrochen wurde. Entweder stimmt die Balance am WIG-Gerät nicht, oder das Material war vor dem Schweißen nicht ordentlich gereinigt. Dieser Fehler ist von außen kaum erkennbar und deswegen besonders gefährlich.

Legierungen: Nicht jedes Aluminium ist gleich

Aluminium wird selten in Reinform verarbeitet. Die meisten Halbzeuge sind Legierungen mit Zusätzen aus Silizium, Magnesium, Mangan, Kupfer oder Zink – und diese Zusätze beeinflussen das Schweißverhalten erheblich. Die 5xxx-Serien (AlMg) gelten als gut schweißbar und werden im Bootsbau und Fahrzeugbau häufig eingesetzt. Die 6xxx-Serien (AlMgSi) sind ebenfalls gut schweißbar, neigen aber zur Festigkeitsminderung in der Wärmeeinflusszone. Die 2xxx- und 7xxx-Serien sind hochfest, aber warmrissempfindlich – hier ist besondere Sorgfalt bei Nahtführung und Zusatzwerkstoffwahl nötig.

Das Zusatzmaterial muss zur Grundlegierung passen. Die häufigsten Drähte und Stäbe sind ER4043 (AlSi5) und ER5356 (AlMg5). ER4043 fließt besser und ist rissunempfindlicher, hat aber eine geringere Festigkeit. ER5356 ist fester und korrosionsbeständiger, neigt aber bei bestimmten Legierungskombinationen zu Rissen. Wer unsicher ist, findet in den Datenblättern der Legierungshersteller Empfehlungen für die Zusatzmaterialauswahl. Für anspruchsvollere Aluminiumbauteile lohnt sich auch der Blick auf erfahrene Metallbaufachbetriebe, die die Legierungskunde im Alltag beherrschen.

Sicherheit beim Aluminiumschweißen

Aluminiumschweißen erzeugt Aluminiumoxid-Rauch, der bei längerem Einatmen die Atemwege belastet. Eine gute Absaugung direkt an der Schweißstelle ist Pflicht – Hallenbelüftung allein reicht nicht. Beim MIG-Schweißen mit hohen Drahtvorschubgeschwindigkeiten entsteht deutlich mehr Rauch als beim WIG-Verfahren, das ruhiger und sauberer arbeitet.

Aluminiumstaub, der beim Schleifen oder Bürsten entsteht, ist unter bestimmten Bedingungen explosionsfähig. In der Praxis ist das bei normalen Schweißarbeiten kein akutes Thema, sollte aber bei der Raumlüftung und beim Umgang mit Schleifstaub berücksichtigt werden.

Fazit

Aluminium schweißen ist kein Hexenwerk, aber es verlangt mehr als das Einstellen einer Stromstärke und Losschweißen. Wer das Material versteht, die Oberfläche konsequent vorbereitet, das richtige Verfahren wählt und die Eigenheiten der jeweiligen Legierung kennt, bekommt Nähte, die sich hinter keiner Stahlverbindung verstecken müssen. Wer ohne dieses Grundwissen anfängt, kämpft gegen Probleme, deren Ursache er nicht mal benennen kann.

Bildquelle: Jimmy Nilsson Masth / Unsplash

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