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Aluminium Legierungen, Eigenschaften, EN AW-Bezeichnungen und typische Anwendungen

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Aluminiumlegierungen spielen seit den 1950er-Jahren eine zentrale Rolle in der Industrie, vom Leichtbau über Korrosionsschutz bis zur kosteneffizienten Herstellung. Dieser Artikel gibt eine Übersicht über die wichtigsten Sorten, Normen und Auswahlkriterien.

Einführung in Aluminiumlegierungen

Aluminium wird in der Luft- und Raumfahrt sowie im Fahrzeugbau verwendet, weil dieses Leichtmetall mit einer Dichte von ca. 2,7 g/cm³ deutlich leichter und korrosionsbeständiger als Stahl ist. Es gibt etwa 200 verschiedene Aluminiumlegierungen, die eine hohe spezifische Festigkeit bei geringem Gewicht bieten. Reines Aluminium (z. B. EN AW 1050A) ist für viele technische Belastungen zu weich, erst durch Legierungselemente entstehen Hochleistungswerkstoffe wie EN AW 5083, EN AW 5754 oder EN AW 6082. Aluminium ist nahezu vollständig recycelbar ohne Qualitätsverlust.

Hauptvorteile im Überblick:

  • Gewichtsersparnis gegenüber Stahl und Kupfer

  • Hervorragende Korrosionsbeständigkeit durch natürliche Oxidschicht

  • Gute Bearbeitbarkeit (Umformbarkeit, Schweißen, Zerspanen)

  • Hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit

Was sind Aluminiumlegierungen? Grundlagen kompakt

Aluminiumlegierungen bestehen aus Aluminium und weiteren Legierungselementen wie Mg, Si, Mn, Cu und Zn. Durch Legieren lassen sich Gefügestruktur (Mischkristalle, Ausscheidungen) und damit mechanische Eigenschaften gezielt steuern. Eine Vielzahl an Varianten deckt eine breite Palette an Anforderungen ab.

Gezielt veränderbare Eigenschaften:

  • Festigkeit und Zugfestigkeit

  • Härte (Brinell, Vickers)

  • Umformbarkeit und Schweißbarkeit

  • Korrosionsbeständigkeit

  • Wärmeleitfähigkeit und elektrische Leitfähigkeit

  • Oberfläche und Eignung zum Eloxieren

Normen und Bezeichnungen: EN AW und andere Systeme

Seit den 1990er-Jahren wurden nationale Normen wie DIN 1725 durch europäische Normen (EN) ersetzt. Die Buchstaben EN AW stehen für „Europäische Norm, Aluminium Wrought“ (Knetlegierung), EN AC für Gusslegierungen. Der vierstellige Code klassifiziert die Legierungen nach ihren Hauptlegierungselementen. Aluminiumlegierungen werden in Knetlegierungen und Gusslegierungen unterteilt.

  • 1xxx: Reinaluminium (z. B. Al Mg1 als niedriglegierte Variante), hohe Reinheit

  • 2xxx: Kupfer-Legierungen (hohe Festigkeit)

  • 3xxx: Mangan-Legierungen

  • 5xxx: Magnesium-Legierungen, z. B. AlMg4,5Mn0,7 ist die Legierung EN AW-5083

  • 6xxx: Mg+Si, z. B. EN AW 6082; auch Sonderlegierungen wie EN AW 6012 AlMgSiPb

  • 7xxx: Zn-Legierungen, AlZn5,5MgCu ist EN AW-7075, AlZn5,5Mg1,5 ist EN AW-7021

Andere Bezeichnungssysteme (AA, UNS, JIS) verwenden teils identische Nummern, unterscheiden sich aber in Grenzen der Zusammensetzung.

Hauptgruppen von Aluminiumlegierungen: aushärtbar vs. nicht aushärtbar

Die Unterscheidung zwischen zwei Klassen ist fundamental:

Nicht aushärtbare Legierungen (1xxx, 3xxx, 5xxx):

  • Naturharte Legierungen erreichen ihre Festigkeit durch Kaltverformung (Walzen, Ziehen)

  • Die 1xxx-Serie ist sehr korrosionsbeständig und weich

  • Die 5xxx-Serie hat gute Korrosionsbeständigkeit und Schweißbarkeit

  • Zweck: Bleche, Behälter, Architekturelemente

Aushärtbare Legierungen (2xxx, 6xxx, 7xxx):

  • Aushärtbare Legierungen erreichen ihre hohe Festigkeit durch Wärmebehandlung (Lösungsglühen, Ausscheidungshärten)

  • Die 6xxx-Serie ist aushärtbar und hat gute Formbarkeit

  • Die 7xxx-Serie hat sehr hohe Festigkeit und ist aushärtbar

  • Die 2xxx-Serie hat eine hohe Festigkeit, ist jedoch weniger korrosionsbeständig

  • Festigkeitssteigerung bei aushärtbaren Werkstoffen teils über 500 MPa

Aluminiumknetlegierungen und -gusslegierungen

Aluminiumknetlegierungen (EN AW) werden durch Walzen oder Strangpressen geformt. Aluminiumgusslegierungen (EN AC) werden geschmolzen und in Formen gegossen.

Knetlegierungen:

  • Aluminiumbleche und Platten für Schiffbau und Fahrzeugbau

  • Profile und Stangen für Maschinenbau

  • Rohre für Druckbehälter und Wärmetauscher

Gusslegierungen:

  • Motorengehäuse (AlSiCu-System)

  • Pumpen- und Lüftergehäuse in komplexer Form

  • Reinaluminium wird für chemische Tanks verwendet

Einfluss der Legierungselemente auf die Eigenschaften

Die Nahaufnahme zeigt präzise gefräste Aluminiumbauteile auf einer Werkbank, die aus verschiedenen Aluminiumlegierungen gefertigt sind. Die Oberfläche der Bauteile reflektiert das Licht und verdeutlicht die hohe Qualität und Festigkeit der verwendeten Materialien.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Legierungselemente und ihren Einfluss:

Element

Wirkung

Typische Verwendung

Magnesium (Mg)

Erhöht die Festigkeit

Aluminiumlegierungen mit Magnesium werden im Schiffbau verwendet

Silizium (Si)

Verbessert Korrosionsbeständigkeit und Schweißbarkeit, senkt den Schmelzpunkt

Aluminium-Silizium-Legierungen sind gut für Schweißzusätze geeignet

Kupfer (Cu)

Erhöht die Festigkeit, senkt die Korrosionsbeständigkeit

Aluminiumlegierungen mit Kupfer sind im Flugzeugbau eingesetzt

Mangan (Mn)

Erhöht die Dehn- und Zugfestigkeit

Aluminium-Mangan-Legierungen werden für Kfz-Kühler verwendet

Zink (Zn)

Verbessert die Festigkeit, senkt die Korrosionsbeständigkeit

Legierungen mit Zink finden Anwendung in der Raumfahrt

Titan, Chrom

Kornfeinung, bessere Warmfestigkeit

Kleine Zugaben in 5xxx/6xxx-Legierungen

Wichtige EN AW Legierungen im Überblick

In der Praxis decken wenige Sorten den Großteil der Anwendungen ab. Die 7000er-Serie wird für hochbelastete Maschinenteile verwendet, während im Vergleich dazu folgende Legierungen dominieren:

  • EN AW 1050A: Hohe Leitfähigkeit, geringe Festigkeit, Dekor, Folien

  • EN AW 5083: Hohe Festigkeit (Rm 275, 350 MPa), Schiffbaubleche, Tanks

  • EN AW 5754: Mittlere Festigkeit, Karosserieteile, Fassaden

  • EN AW 6082: Aushärtbar, Rm bis 340 MPa (T6), Krane, Brückenprofile

Fokus: EN AW 5083, hochfeste Platte für maritime Anwendungen

EN AW 5083 (AlMg4,5Mn0,7, Werkstoffnr. 3.3547) ist seit den 1970er-Jahren Standard-Seewasser-Material. Mit ca. 4, 4,9 % Mg und 0,4, 1 % Mn bietet die Legierung hohe Festigkeit bei exzellenter Korrosionsbeständigkeit.

  • Zugfestigkeit im Zustand O/H111: 275, 350 MPa

  • Sehr gute Schweißbarkeit auch bei dicken Blechen

  • Anwendungen: Schiffsrümpfe, Decks, Druckbehälter

  • Lieferformen: Bleche und Platten in 3, 80 mm Dicke

Fokus: EN AW 5754, universelle AlMg-Legierung für Bleche

In einem Industrielager sind mehrere gestapelte Aluminiumplatten sichtbar, die aus verschiedenen Aluminiumlegierungen bestehen. Diese Platten zeichnen sich durch ihre hohe Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit aus und sind für Anwendungen im Fahrzeugbau sowie in der Luftfahrt geeignet.

EN AW 5754 (AlMg3) ist seit den 1960er-Jahren als Standard-Blechlegierung etabliert, die Wahl für mittlere Festigkeit bei hervorragender Verarbeitung.

  • Zugfestigkeit: 190, 240 MPa je nach Temper

  • Gute Schweißbarkeit (MIG/TIG) und Eignung zum Eloxieren

  • Karosserieteile, Riffelbleche, Fassadenverkleidungen

  • Lebensmittelindustrie: Behälter und Verkleidungen

  • Verfügbar in verschiedenen Oberflächenqualitäten (mill finish, lackiert)

Fokus: EN AW 6082, hochfeste Legierung für Profile und Strukturbauteile

EN AW 6082 (AlSi1MgMn, Werkstoffnr. 3.2315) ist die meistgenutzte 6xxx-Strangpresslegierung im europäischen Leichtbau. Durch Aushärtung (T6/T651) entsteht ein Material mit Rm bis 340 MPa.

  • Si 0,70, 1,30 %, Mg 0,60, 1,20 %, Mn 0,40, 1,00 %

  • Dichte ca. 2,70 g/cm³, Wärmeleitfähigkeit 150, 220 W/(m·K)

  • Kran- und Brückenkonstruktionen, Maschinenrahmen

  • Fahrzeugaufbauten, Offshore-Strukturen

Kriterien für die Auswahl der passenden Aluminiumlegierung

Die Qualität einer Konstruktion hängt von der richtigen Legierungswahl ab:

  • Maritime Belastungen: EN AW 5083 (5xxx-Klasse)

  • Leichtbauprofile im Maschinenbau: EN AW 6082 (6xxx-Gruppe)

  • Sichtbare Fassaden mit guter Umformbarkeit: EN AW 5754

  • Normen und Zulassungen (Druckbehälter, Brücken) stets berücksichtigen

Fazit: Aluminiumlegierungen zielgerichtet einsetzen

Die gezielte Wahl zwischen reinem Metall und legierten Werkstoffen, ob nicht aushärtbar oder bei den aushärtbaren Klassen, entscheidet über Lebensdauer, Gewicht und Kosten. EN AW 5083, 5754 und 6082 decken dabei die zentralen Anwendungen dieses Leichtmetalls ab. Trends wie steigende Recyclingquoten und verschärfte europäische Normen treiben die Weiterentwicklung voran.

  • Legierungsauswahl frühzeitig in die Konstruktionsphase einbeziehen

  • Halbzeugform (Blech, Profil, Guss) passend zum Fertigungsverfahren wählen

Dieser Artikel wurde mit Blogie erstellt.

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