Die Frage, mit welchem Gerät man anfangen soll, stellt sich eigentlich erst dann richtig, wenn man schon ein bisschen geschaut hat. Dann nämlich merkt man: Der Markt ist groß, die Preisunterschiede sind enorm, und die Hersteller versprechen alle dasselbe. Wer neu ist, kann dabei leicht ein Gerät kaufen, das entweder zu viel kostet für das, was man vorhat, oder eines, das nach drei Projekten an seine Grenzen stößt.
Dieser Artikel soll das sortieren. Nicht mit Kaufempfehlungen für bestimmte Modelle, sondern mit dem Grundwissen, das man braucht, um selbst eine vernünftige Entscheidung zu treffen.
Es gibt nicht das eine Schweißverfahren für Einsteiger. Was sinnvoll ist, hängt davon ab, was man schweißen will, wie dick das Material ist und ob man drinnen oder draußen arbeitet. In der Praxis kommen für den Einstieg vor allem drei Verfahren infrage: Elektroden-, MIG/MAG- und WIG-Schweißen. Alle drei funktionieren nach dem gleichen physikalischen Prinzip, nämlich einem elektrischen Lichtbogen, der Metall aufschmilzt. Aber sie unterscheiden sich erheblich in der Handhabung, den Kosten und den Anwendungsgebieten.
Das Elektrodenschweißen ist das älteste und robusteste Verfahren. Das Gerät selbst ist simpel, günstig und braucht keine Gasflasche. Man hält eine beschichtete Elektrode ans Werkstück, zündet den Lichtbogen und führt die Elektrode entlang der Naht. Die Beschichtung der Elektrode erzeugt beim Abbrennen eine Schlacke, die die Schmelze vor Luftsauerstoff schützt.
Für Einsteiger hat das Elektrodenschweißen einen entscheidenden Nachteil: Es ist schwerer zu lernen als MIG/MAG. Der Lichtbogen ist weniger stabil, die Elektrode brennt ab und man muss den Abstand kontinuierlich nachführen. Dünne Bleche unter drei Millimeter sind damit kaum vernünftig zu schweißen. Der Vorteil ist die Unabhängigkeit: Man braucht nur Strom und Elektroden, kann auch draußen und bei Wind arbeiten und kommt an Stellen, wo kein MIG-Brenner hinkommt.
Das MIG/MAG-Verfahren ist das am weitesten verbreitete in Hobby- und Semiprofibetrieb. Der Draht läuft automatisch aus dem Brenner, man muss nur noch führen. Der Einstieg fällt deutlich leichter als beim Elektrodenschweißen, die Nähte werden gleichmäßiger und man kann auch dünnere Bleche verarbeiten. Fast alle Schweißgeräte im Einstiegssegment bis 500 Euro sind MIG/MAG-Geräte.
Der Unterschied zwischen MIG und MAG ist das Schutzgas: MIG steht für Metall-Inert-Gas, also ein nicht reagierendes Gas wie Argon, das beim Schweißen von Aluminium oder Edelstahl eingesetzt wird. MAG steht für Metall-Aktiv-Gas, meist ein Mischgas aus Argon und CO2, das beim Schweißen von Stahl verwendet wird. Günstigere Geräte arbeiten oft auch mit reinem CO2, was etwas mehr Spritzer erzeugt, aber deutlich billiger in der Anschaffung ist. Für den normalen Einstieg mit Baustahl ist das kein Problem.
Ein weiterer Vorteil: Viele Einstiegsgeräte haben eine sogenannte Fülldrahtoption. Dabei wird kein Schutzgas benötigt, weil der Draht selbst flussmittelgefüllt ist und beim Abbrennen eine Schutzatmosphäre erzeugt. Das ist praktisch für draußen und spart die Gasflasche, produziert aber mehr Spritzer und etwas rauere Nähte.
WIG ist das präziseste und sauberste Verfahren, aber auch das anspruchsvollste. Man führt eine nicht abschmelzende Wolframelektrode, gibt mit der anderen Hand separat Zusatzdraht in die Schmelze und bedient dabei noch das Fußpedal zur Stromregelung. Das erfordert echte Koordination und Übung. Für blutechte Einsteiger ist WIG normalerweise keine gute erste Wahl, es sei denn, man will von Anfang an Edelstahl oder Aluminium sauber schweißen und hat die Geduld, das Verfahren in Ruhe zu lernen.
Wer ein Schweißgerät kauft, wird mit Zahlen konfrontiert, die ohne Kontext wenig aussagen. Hier sind die wesentlichen Angaben erklärt:
| Kennzahl | Bedeutung | Orientierungswert Einsteiger |
|---|---|---|
| Stromstärke (Ampere) | Bestimmt die Wärmeeinbringung und damit die schweißbare Blechdicke | 120-160 A reichen für die meisten Hobbyarbeiten |
| Einschaltdauer (ED) | Prozentualer Anteil der Arbeitszeit innerhalb von 10 Minuten, bei dem das Gerät schweißen darf | 30-60 % bei Nennstrom sind für Hobbyanwender ausreichend |
| Leerlaufspannung | Spannung ohne Lichtbogen. Höhere Werte erleichtern das Zünden | Mindestens 50 V für stabiles Zünden |
| Anschluss | 230 V (Haushaltsstrom) oder 400 V (Drehstrom) | 230 V für Heimwerkstatt meist ausreichend |
| Drahtdurchmesser | Verarbeitbarer Drahtstärkenbereich beim MIG/MAG-Gerät | 0,6 und 0,8 mm für Stahl, 1,0 mm für dickeres Material |
Die Einschaltdauer ist dabei die Kennzahl, die am häufigsten missinterpretiert wird. Eine ED von 60 % bei 150 A bedeutet: Das Gerät darf innerhalb von 10 Minuten maximal 6 Minuten bei 150 A schweißen, danach muss es abkühlen. Für Hobbyschweißer, die eh keine langen Dauernähte ziehen, ist das kein Problem. Wer aber regelmäßig lange Nähte schweißt, sollte auf höhere Werte achten oder ein Gerät mit aktivem Lüfter wählen.
Unter 200 Euro: In dieser Klasse bekommt man Geräte, die funktionieren, aber schnell an Grenzen stoßen. Einschaltdauer ist oft niedrig, die Vorschubmechanik ist einfach gehalten und die Spulenhalter sind oft auf 1-kg-Spulen beschränkt. Für gelegentliche kleine Reparaturen an dickerem Material vertretbar, für regelmäßigen Einsatz nicht empfehlenswert.
200 bis 400 Euro: Hier beginnt der Bereich, in dem man für Hobbyeinsatz gut aufgestellt ist. Geräte dieser Klasse schaffen in der Regel Bleche bis 5-6 mm, haben eine akzeptable Einschaltdauer und vertragen 5-kg-Spulen. Viele haben bereits eine Synergiefunktion, bei der man nur Blechdicke und Drahtdurchmesser einstellt und das Gerät die restlichen Parameter automatisch wählt.
400 bis 800 Euro: Der Übergang zum Semiprofesionellen. Bessere Einschaltdauer, stabilerer Lichtbogen, mehr Einstellmöglichkeiten. Für ambitionierte Hobbyscheißer oder kleine Werkstätten, die gelegentlich schwereres Material schweißen. Hier findet man auch erste Kombigeräte, die MIG/MAG und Elektrodenschweißen in einem können.
Über 800 Euro: Profibereich. Für Einsteiger in der Regel nicht nötig. Ausnahme: Wer von Anfang an ein WIG-Gerät für Edelstahl oder Aluminium will und sich den Umweg über günstigere Geräte sparen möchte, findet in dieser Klasse gute AC/DC-WIG-Geräte.
Neben Ampere und Einschaltdauer gibt es Punkte, die in den meisten Kaufberatungen kaum auftauchen, aber im Alltag eine Rolle spielen:
Drahtvorschub: Die Qualität des Vorschubmotors bestimmt wesentlich, wie gleichmäßig der Lichtbogen wird. Günstige Geräte haben oft nur einen Vorschubmotor mit einfachen Plastikrollen. Metallrollen und ein robuster Motor machen sich vor allem bei längerem Einsatz bemerkbar. Wer Aluminium schweißen will, braucht Teflonseelen im Schweißschlauch und spezielle Alurollen, weil der weiche Draht sonst knickt.
Brennerlänge: Standardbrenner sind oft drei Meter lang. Das ist für viele Arbeiten bequem, aber wer an festen Standorten in der Werkstatt arbeitet, kommt damit gut aus. Wer beweglich sein muss, kann einen längeren Brenner nachkaufen, was den Strömungswiderstand beim Drahtvorschub erhöht.
Ersatzteilversorgung: Schweißbrenner haben Verschleißteile: Stromdüsen, Gasdüsen und Führungsseelen. Bei namhaften Herstellern oder verbreiteten Standardanschlüssen sind diese günstig und überall erhältlich. Bei obskuren Importgeräten kann es schwierig werden, wenn die Düse nach drei Monaten abgebrannt ist.
Gasanschluss: Günstige Geräte haben manchmal proprietäre oder schwache Gasanschlüsse. Darauf achten, dass das Gerät einen Standard-W21,8-Anschluss für Gasflaschen hat, damit man nicht auf Adapter angewiesen ist.
Gerade für Einsteiger ist das Thema Schutzgas oft verwirrend. Die gute Nachricht: Für normalen Baustahl reicht ein Mischgas aus 82 Prozent Argon und 18 Prozent CO2, das unter dem Handelsnamen CORGON 18 oder ähnlich erhältlich ist. Alternatives reines CO2 ist günstiger, erzeugt aber mehr Spritzer. Argon-reicher wird das Gas, wenn man Edelstahl oder Aluminium schweißt.
Schweißen erzeugt UV-Licht, das in Sekundenbruchteilen zu Augenschäden führt. Ein ordentlicher Schweißhelm ist keine optionale Ausgabe. Automatikhelme mit Schnelldunkelschaltung erleichtern den Einstieg erheblich, weil man das Werkstück vor dem Zünden noch sehen kann. Die Abdunkelungsstufe sollte mindestens DIN 9 sein, besser 11. Günstige Helme ab etwa 30 Euro funktionieren prinzipiell, haben aber oft eine träge Schaltzeit. Wer regelmäßig schweißt, sollte in ein Gerät ab 60 Euro investieren.
Schweißrauch ist gesundheitsschädlich. In einer geschlossenen Werkstatt reicht die normale Belüftung nicht. Eine Absaugung direkt an der Schweißstelle oder zumindest ein gutes Werkstattlüftungssystem ist Pflicht. Das gilt besonders für Edelstahl, dessen Rauch Chrom-VI-Verbindungen enthält, die als krebserregend eingestuft sind.
Schweißschutzhandschuhe, feuerfeste Kleidung und festes Schuhwerk gehören dazu. Synthetische Kleidung schmilzt bei Funkenflug, das ist kein theoretisches Risiko.
Wer noch nie geschweißt hat und anfangen will, könnte diesen Weg gehen: ein MIG/MAG-Gerät in der 250 bis 350-Euro-Klasse kaufen, dazu einen ordentlichen Automatikhelm, Handschuhe und einen Meter Schrottblech aus dem Baustoffhandel. Die ersten Stunden damit verbringen, einfache Stücke aneinanderzuheften. Nicht versuchen, sofort schöne Nähte zu machen – erst mal verstehen, wie sich der Lichtbogen verhält. Einen Kurs zu besuchen ist keine Schwäche, sondern spart Frust und Material.
Wer nach einigen Wochen merkt, dass er regelmäßig schweißt und die Grenzen des Einstiegsgeräts spürt, kann dann gezielt aufrüsten, entweder mit einem besseren MIG/MAG-Gerät oder einem WIG-Gerät für anspruchsvollere Materialien. Einen Artikel zu Fachbetrieben, die auch Schulungen anbieten, findet man im Metallbau-Firmenverzeichnis.
Wer spezifisch Stahl schweißen will und sich fragt, welches Verfahren dabei am besten funktioniert, findet auf dieser Seite auch einen ausführlichen Artikel zum Stahl schweißen.
Bildquelle: Christopher Burns / Unsplash
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